Interview mit Albrecht Wagner und Harry Hut – Trierer Stars für einen guten Zweck

Albrecht Wagner hat eigentlich gar keine Zeit für Bücher. Als Arzt und Vater ist er recht ausgelastet, und wenn ein Kollege in der Praxis fehlt, übernimmt Wagner zusätzlich sogar noch dessen Schicht. Trotzdem packt ihn die Begeisterung für die Literatur immer wieder. Drei Kinderbücher hat er bereits veröffentlicht, kürzlich kam Konstantin findet mehr als Gold sogar als Hörspiel heraus. Es stecken mehrere Jahre Arbeit darin von Sprechern, Tontechnikern, Sponsoren und vielen weiteren Helfern.

Einer der Beteiligten ist Heribert Schmitt, genannt Harry Hut. Am Trierer Theater ist er bekannt geworden, bei Konstantin findet mehr als Gold hat er die Rolle des Erzählers übernommen. Aber auch an der Organisation des gesamten Projekts war er beteiligt, hat Sprecher gesucht, nach Sponsoren Ausschau gehalten und sogar den berühmten Trierer Helmut Leyendecker für das Projekt gewinnen können. Letztlich musste alles ehrenamtlich funktionieren und kommt doch einem wohltätigen Zweck zugute. Dieser Spagat war nicht immer leicht.

Die Produktion des Hörbuchs hat sehr lange gedauert. Wie haben Sie die Zeit und das Geld dafür gefunden?

Wagner: Die Zeit, ja, das macht man dann am Feierabend, Wochenende oder wenn man Urlaub hat. Mit den Kindern und dem Job ist das nicht so einfach. Insgesamt haben wir drei Jahre gearbeitet, zwei davon waren allein die Postproduktion. Beim Geld hat uns der Harry Hut unglaublich geholfen, da er den Kontakt zu vielen Leuten hatte, die das kostenlos gemacht haben. Kostenlos, bei so viel Arbeit!

Schmitt: Stimmt, über das Theater hatte ich da noch Kontakt zu einigen alten Kollegen. Die haben alle gerne mitgemacht, einfach so. Im Theater konnten wir auch alles aufnehmen. Ich habe dann noch ein paar Sponsoren gefunden, was gar nicht so leicht war: Wir sind keine offizielle gemeinnützige Organisation und können keine Quittung für die Spenden ausstellen. Die Unternehmen könnten es also nicht von der Steuer absetzen. Da wollten viele nicht mehr. Echt klasse, dass unsere jetzigen Sponsoren trotzdem mitgemacht haben.

Wie schwierig war dann die Umsetzung des Projekts?

Schmitt: Für mein Gefühl hat alles wunderbar funktioniert. Ganz klasse. Vor allem unser Regieleiter und Tontechniker Stefan Witter hat unglaublich viel gearbeitet. Er wollte auch nie etwas herausgeben, bis es nicht zu hundertzehn Prozent fertig war. Das hat dann nur manchmal die Sponsoren etwas gestört. Nach so zwei Jahren haben die dann auch mal gefragt: Na, wann kommt denn da mal was? Uns allen war das schon peinlich, aber wir konnten auch niemanden drängeln.

Wagner: Das größte Problem war, alle Sprecher zu einem Termin vor Ort zu haben. Wir haben ja alle einen Job, und die beiden Kinder, die dabei waren, hatten Schule. Da mussten wir die Kapitel so aufnehmen, wie jeder eben Zeit hatte.

Schmitt: Und wir konnten im Theater nur aufnehmen, wenn sonst niemand Probe hatte. Sonst hätte man die Geräusche gehört. Einmal habe ich was eingesprochen, und das ist meiner Meinung nach richtig gut gelaufen. Aber wie wir das dann nochmal angehört haben: Klopfen drauf, Klospülung, Gespräche … Das mussten wir alles noch einmal machen.

Herr Wagner, Sie haben unglaublich viel Zeit investiert, um aus Ihrem Buch ein Hörbuch zu machen. Woher kommt diese Begeisterung für Hörbücher?

Wagner: In den Achtzigern, wie ich noch im Studium war, habe ich schon unglaublich gerne Hörbücher gehört. Wenn ich damals in meiner WG-Küche eineinhalb Stunden Abwasch vor mir hatte, habe ich mir ein Hörbuch angemacht. Das war damals wirklich ungewöhnlich, die Leute haben mich komisch angeschaut: Der hört Hörspiele. Aber man hat ja nicht immer Zeit zum Lesen, und mit jedem Sprecher erhält die Geschichte nochmal einen ganz eigenen Charakter.

Die Geschichte Ihres Buchs hat auch viele ernste Hintergründe: eine zerbrochene Familie, Freunde finden, das Miteinander. Warum gerade so ein schwieriges Thema für eine Kindergeschichte?

Wagner: Ich selbst habe schon immer gerne Kinderbücher gelesen. Und eine gewisse Lehre mitzugeben, das ist mir wichtig. Wenn man sich mal anschaut, wie wenige Kinder heute nur noch in einer klassischen Familie aufwachsen – das ist mittlerweile normal. Und was dann manchmal gemacht wird, nur um dem anderen eins auszuwischen. So ist das ja auch bei Konstantin: Er lebt beim Vater, und der gaukelt ihm die ganze Zeit vor, seine Mutter wäre gestorben, obwohl sie ja noch lebt. Das Thema wollte ich unbedingt behandeln. Aber damit es auch für Kinder so ab zehn Jahren geeignet ist, habe ich noch eine spannende Handlung dazugenommen. Und so, wie sich Konstantin immer weiter in die Geschichte des Trierer Römerschatzes gräbt, den es übrigens wirklich gibt, gräbt er sich auch selbst weiter in die eigene Vergangenheit.

Das Hörbuch ist bereits erhältlich – pro Exemplar spenden Sie für einen guten Zweck. Wofür genau?

Schmitt: Ich mache bei der Villa Kunterbunt jedes Jahr ein Adventslesen. Da war die Verbindung schnell geschaffen. Das ist der beste Zweck, zu dem wir spenden können.

Wagner: Pro Hörbuch geben wir 1,50€ an die Villa Kunterbunt, um deren Arbeit zu unterstützen. Das ist zwar noch nicht so viel wie ein Römerschatz, aber schon eine erste Hilfe.

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