Interview mit Lucas Blasius – Science-Fiction muss nicht abgehoben sein

Lucas Blasius ist kein Autor, wie man sich ihn vorstellt. Wenn er schreibt, sitzt er nicht wie ein alter Mann den ganzen Tag im Ohrensessel am Kamin, hat keinen Papierstapel vor sich liegen und kalkuliert nicht dauernd, wie viele Bücher er noch verkaufen muss, damit es für den Lebensunterhalt reicht.

Ganz im Gegenteil: Blasius macht viel Sport, ist gerne unterwegs und schreibt nur zwischendrin einige Ideen am Computer auf, wenn er mal einen Ausgleich und etwas Zeit für Kreativität braucht. Ein paar Literaturpreise hat ihm das schon eingebracht, und sein Buch Kreuzkrieg wurde im Verlag Stephan Moll veröffentlicht.

Herr Blasius, Sie haben mit zwölf Jahren bereits angefangen, Geschichten zu schreiben. Hatten Sie nichts Besseres zu tun?
(Lacht.) Doch, natürlich. Deswegen habe ich nur hin und wieder geschrieben, nebenher. Meistens am Abend, wenn ich mal meine Ruhe haben und meiner kreativen Ader nachkommen wollte, die schon immer recht stark war. Ansonsten war ich ein ganz normaler Junge mit Schule, Kumpels, Hobbys, Gameboy-Spielen …

Super Mario zum Beispiel?
Kann ich auswendig. Aber auch Lego Star Wars oder die Fußball-WM 2006.

Dann haben Sie also angefangen, Literatur zu verfassen. Wie kam das in Ihrem Umfeld an?
Ich war immer einer dieser besonders guten Schüler, was die anderen Kinder bekanntlich nie so toll finden. Da hat das Schreiben ins Bild gepasst. Gleichzeitig haben mir aber eine Menge Leute aus meinem Alter gesagt, dass sie auch schon mal eine Geschichte angefangen hätten, aber nie wirklich den Ehrgeiz aufgebracht haben, mehr als nur ein paar Seiten zu schreiben. Da klang immer etwas Bewunderung mit.

Wenn das auf andere Leute komisch gewirkt hat – warum haben Sie dann überhaupt geschrieben?
Ich hatte Spaß daran. Ich mochte es einfach. Meiner Meinung nach sind das für mich auch zwei absolute Grundregeln: Wenn man Spaß an etwas hat, soll man sich das von anderen Leuten nicht versauen lassen. Und wer etwas schreiben möchte, sollte das auch nur aus Spaß oder einer gewissen Überzeugung tun. Wenn man für Geld oder Anerkennung schreibt, wird man nicht weit kommen.

Und so ist aus Ihrem gelegentlichen Schreiben Ihr aktuelles Buch Kreuzkrieg geworden. Sie sagen manchmal, dass es streng genommen mehrere Bücher sind. Warum?

Kreuzkrieg zu schreiben, hat lange gedauert. Ich habe mit 13 Jahren angefangen und hatte bald eine allererste Geschichte von wenigen Seiten. Daraus wurde dann ein kleines Buch. Es kam ein zweiter Teil hinzu. Ich habe beides zusammengefasst und im Eigenverlag 60 Exemplare drucken lassen. Ich wollte unbedingt ein richtiges eigenes Buch haben. Das habe ich dann Freunden und Nachbarn verkauft. Weil es so gut ankam, habe ich das Buch überarbeitet, wieder und wieder, bis ich es schließlich im Verlag Stephan Moll professionell veröffentlichen konnte. Das war sieben Jahre nach den ersten Ideen. Jetzt ist es aber ein einziges großes Buch.

Sie haben sich also sehr viel Zeit gelassen. Was ist nun das Besondere an Kreuzkrieg?
Es ist eine sehr vielseitige Geschichte. Wer ein Action-Abenteuer lesen möchte, für den ist das Buch perfekt. Wer aber lieber ein nachdenkliches Werk haben möchte, eine Utopie oder Dystopie mit sehr vielen grundlegenden Fragen und philosophischen Gedanken, findet auch dazu eine Menge Ansätze im Buch. Die Beschreibung als Science-Fiction-Buch ruft immer viele schlechte Vorurteile hervor. Dabei heißt es eigentlich nur, dass ich mir unglaublich viel selbst ausgedacht habe, aber auch der wissenschaftliche Gedanke und die Liebe zu Details eine wichtige Rolle spielen.

Und darum geht es in Kreuzkrieg:
Akaro weiß nicht, wer er ist. Sein Gedächtnis ist wie ausgelöscht, seit er mit seinem Raumschiff abgestürzt und wundersamerweise in einer riesigen Klinik wieder lebendig aufgewacht ist. Zu seinem Bestürzen kann ihm auch niemand sonst Auskunft geben. In einer Zeit des Bürgerkriegs muss er durch die bewohnte Galaxis ziehen, um herauszufinden, wer er einst war. Was er dabei herausfindet, ist jedoch vor allem, wer er nun ist: Ein Kämpfer zwischen den Fronten, der von einem schattenhaften Verfolger und seiner eigenen Vergangenheit gejagt wird und dubiosen Freunden vertrauen muss.

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