Interview mit Petra Horst

Petra Horst

Historische Jugendromane, fesselnd erzählt.

Frau Horst, was hat Sie zu der Reihe inspiriert? („Im Winter des Wolfes“, „Im Schatten des Wolfes“, „Das Erbe des Wolfes“)

Die Geschichten spielen im Umfeld der Saalburg/des Limes, die in der Nähe meiner Heimatsstadt Bad Homburg liegen. Dort kommt man ganz zwangsläufig mit Geschichte in Berührung, zumal das Römerkastell Saalburg vollständig rekonstruiert wurde und man sich dort sehr anschaulich über das römische Leben an der Grenze informieren kann. Mich hat besonders das Verhältnis zwischen Römern und den germanischen Bewohnern der Gegend interessiert und wie sie so miteinander auskamen. Eine Version davon findet sich in der inzwischen dreiteiligen Serie um die junge Römerin Lavinia. Die Geschichte richtet sich an Leser ab 12 Jahre.

Inwieweit ist Ihr neuestes Buch „Das Erbe des Wolfes“ (beziehungsweise die Reihe) an historische Fakten angelehnt?

Ich habe ziemlich viel Recherchearbeit in diese Geschichte gesteckt, da mir (zumindest zu Anfang, beim Schreiben des ersten Teils) unsere römisch-germanische Vergangenheit nicht so geläufig war. Zum Glück kann man heutzutage sehr viel darüber im Internet herausfinden, einige Dinge lassen sich auch bei Besuchen der beschriebenen Orte klären (wie gesagt liegt die Saalburg sozusagen direkt vor meiner Haustür). Historische Ereignisse und Personen, die ich in die Geschichte eingebaut habe, wurden, soweit möglich, korrekt wiedergegeben, die übrigen Protagonisten sind natürlich ein Produkt meiner Fantasie, ebenso wie ihre Gespräche und Gedanken.

Wie kam es zu den Titeln der Bücher?

Die Titel! Diese Frage kommt in jeder Lesung. Grundsätzlich schaut man natürlich, was gut klingen würde und sich für einen historischen Roman eignet. Den Wolf wollte ich erwähnen, weil er sowohl in der römischen, als auch in der germanischen Geschichte und Mythologie eine Rolle spielt. Der Winter beim ersten Teil steht symbolisch für die Endzeit. Das Römische Reich war um das Jahr 210 herum schon im Niedergang. Im zweiten Teil dann die „Schatten“, als Vorboten der germanischen Stämme, die zu dieser Zeit noch jenseits des Limes lebten, sich aber auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten immer näher an das Römische Reich heranwagten. Der letzte Teil führt die Geschichte zu einem Ende, deshalb „Erbe“ … zu viel will ich an dieser Stelle nicht verraten!

Hatten Sie beim Schreiben bestimmte Personen im Kopf, die sie in die Geschichte hineingeschrieben haben?

Nein, hatte ich nicht. Meine Charaktere entwickeln sich langsam. Natürlich mussten sie bestimmte (vielleicht recht modern anmutende) Grundeigenschaften aufweisen. Diese bleiben über die Jahre (in den Büchern also über die drei Teile hinweg) grundsätzlich gleich, wenn sich die handelnden Personen dabei auch weiterentwickeln (sie werden ja älter, im Fall von Lavinia und Armin sogar erwachsen). Wichtig war, dass die beiden Hauptpersonen Charakterzüge aufweisen, an denen sich die Leser orientieren können, bzw. in denen sie sich vielleicht sogar wiederfinden. Ein Hauptthema ist ja (über alle Bände hinweg, besonders aber im ersten Teil) die Freundschaft und wie diese Grenzen überwindet, die eigentlich gar nicht zu überwinden sind (Lavinia ist Römerin, Armin entstammt einem mit den Römern verfeindeten Volk). Und ihre Freundschaft wird wahrlich auf viele harte Proben gestellt!

Sie schreiben viele Romane über das Alte Rom. Gehen Ihnen da nicht die Ideen aus?

Bislang noch nicht, ich bin, im Gegenteil, schon wieder auf Recherchetour, ein weiteres Buch ist grob in Planung, diesmal geht es in Richtung Julius Caesar. Zum Glück bestand das Römische Reich über 700 Jahre lang, da findet sich immer wieder ein neuer Ansatz. Und wenn all das nicht wäre, hätte ich ja immer noch meine Indianerbücher. Auch ein spannendes Thema.