Interview mit Hans-Peter Lorang – Mörderische Unterhaltung aus dem Hunsrücker Mittelalter

Wenn es einen Autoren in der Region Trier gibt, der in seinen Geschichten lebt, dann ist es Hans-Peter Lorang. Er kennt die Orte, über die er schreibt, nimmt Freunde und Bekannte als Vorlagen für seine Charaktere und hat über viele Jahre hinweg ein großes historisches Wissen über seine Heimat angesammelt, das er in seinen Büchern beiläufig vermittelt.

Lorangs Heimat ist der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Hier findet er Ruhe, Inspiration und Ausgleich. Gelegentlich geht er jagen. Früher, in seinem Berufsleben als Luftwaffenoffizier, war er auf der ganzen Welt zuhause. Über das Schreiben von Einsatzberichten fand er seine Begeisterung für die Literatur. Mittlerweile hat Lorang zehn Bücher veröffentlicht, ein weiteres ist für kommendes Jahr geplant. Es soll die Reihe von Kriminalgeschichten fortsetzen, für die Lorang bekannt ist. Wichtige Merkmale seiner Bücher sind der regionale Bezug, die realistische Geschichte und die Verstrickung mit sorgfältig recherchierten historischen Details.

Herr Lorang, sind Ihre Bücher eher zur Unterhaltung gedacht oder eher Sachbücher?
Ganz klar zur Unterhaltung. Ich sehe mich keinesfalls als Sachbuchautor, das passiert bei mir nebenbei. Natürlich will ich ein wenig Lokalgeschichte vermitteln, das ist mir schon ein wichtiger Punkt, aber die Leser lernen bei mir nebenbei.

Warum machen Sie sich so viel Arbeit mit Recherche und historischen Fakten?
Ich finde es überaus wichtig, verschiedene Dinge zu erhalten. Was bringt einem ein Denkmal, wenn niemand mehr weiß, wofür es steht? Und außerdem werden die Bücher so erst interessant und glaubwürdig. Wenn es ums Mittelalter geht, da muss ich authentisch beschreiben können, wie die Leute gekleidet waren, wie sie mit Pferden umgegangen sind, wie das Pferd gelaufen ist und so weiter. Aber ich erzähle dem Leser nicht, dass es genau so oder so war. Das fließt am Rande mit ein, ohne, dass man es bemerkt. Trotzdem hat man was gelernt und kann die damalige Zeit besser nachvollziehen.

Authentizität ist Ihnen wichtig. Legen Sie sich auch schon mal selbst auf den Waldboden, um in Ihrem Buch den Fundort einer Leiche richtig gut beschreiben zu können?
Jeden Ort, den ich in meinen Büchern beschreibe, kenne ich selbst. Ich habe mich vielleicht nicht dort hingelegt, aber schon häufiger einen Tatort vermessen, die Erde angefasst und das schwitzige Hemd am Rücken gespürt, vom Weg dorthin. Das gehört einfach dazu.

Sie haben bereits zehn Bücher veröffentlicht. Gehen Ihnen nicht irgendwann die Ideen aus?
Ich hatte nach einem meiner letzten Bücher mal gedacht, jetzt könnte ich wirklich nichts Neues mehr erfinden. Aber … (schüttelt den Kopf) das gibt es nicht. Es gibt immer etwas Neues. Mit der Zeit kommen die Ideen einfach zu mir. Einmal war ich auf einer Party eingeladen. Das war zu einer Zeit, als ich gerade Ideen für einen Krimi gesammelt habe, der an einigen Orten auf der Welt spielen sollte, wo ich schon war und mich auskenne. Die Fete war auch gut, aber ich dachte mir: Hoffentlich komme ich bald nach Hause. Denn da ich hatte endlich, nach langer Zeit, den richtigen Protagonisten für meine Geschichte gefunden: einen Zimmermannsgesellen auf der Walz. Er reist umher, hat Freiheiten, perfekt.

Sie verwenden gerne Personen, die Sie persönlich kennen, für Ihre Bücher. Warum?
Weil es einfacher ist. Das ist auch so ein Tipp, den ich jungen Autoren gerne gebe: Warum solltet ihr einen Menschen völlig frei erfinden, wenn es so viele gibt, die ihr kennt? Und wenn man jemanden nicht mag, macht man ihn oder sie halt zum Bösen. Wenn die Leute meine Bücher lesen und mein Umfeld ein wenig kennen, wissen die auch eigentlich immer, wer da gemeint ist. Die Bekannten kommen dann zwar nicht mit ihrem Gesicht vor, auch nicht mit dem Namen, aber ihr Charakter, die Eigenschaften.

Ihr neues Buch Porträt des Todes soll 2018 erscheinen. Wird das wieder ein Kriminalroman aus dem Hunsrück?
Ja, es wird Band fünf meiner Hochwälder Krimireihe. Man könnte das Buch fast als Thriller bezeichnen, aber das mag ich nicht: Es ist ein Krimi. Den Thrill, die Spannung, soll der Leser selbst erfahren und feststellen.

Das aktuelle Buch: Hexenbad am Hammerwehr Ende des 16. Jahrhunderts leben im Hochwald die katholischen Wallonen mit einigen lutherischen Tagelöhnern zusammen. Ihre Religionen trennen die beiden Völker, und schon bald wird Cathrine, die Frau eines wallonischen Hammerschmieds, der Hexerei beschuldigt. Ihr Schicksal soll durch die grausame Methode des Hexenbads auf den Prüfstand gestellt werden. Hexenbad am Hammerwehr: 250 Seiten, ISBN: 978-3940760340

Hexenbad am Hammerwehr Ende des 16. Jahrhunderts leben im Hochwald die katholischen Wallonen mit einigen lutherischen Tagelöhnern zusammen. Ihre Religionen trennen die beiden Völker, und schon bald wird Cathrine, die Frau eines wallonischen Hammerschmieds, der Hexerei beschuldigt. Ihr Schicksal soll durch die grausame Methode des Hexenbads auf den Prüfstand gestellt werden. Hexenbad am Hammerwehr: 250 Seiten, ISBN: 978-3940760340

Ein ganz besonderes Erlebnis: Krimi-Wanderungen
Hans-Peter Lorang bietet neben vielen Lesungen auch an, ihn auf einer Kombination aus Wanderung und Lesung zu begleiten. Mit seinen Gästen geht er bei Tages- oder Abendlicht durch den stimmungsvollen Hochwald und liest dazu passende Passagen aus seinen Büchern. Mit Unterstützung seiner Frau und einigen historischen Kulissen entsteht so ein besonders eindrucksvolles Erlebnis, das die Geschichten Lorangs hautnah vermittelt.

2 Kommentare

  1. Uschi Hammes Antworten

    Vielen Dank für das interessante Interview, welches uns Lesern den Autor Hans-Peter Lorang wieder ein Stückchen näher bringt…
    Ein sympathischer Mensch geschnitzt aus dem Holz unserer Heimat. Spannend sind seine Krimis, und wenn man zufällig, im späten Herbst auf einer Wanderung durch den Hunsrück stehenbleibt und lauscht, dann kann es einen schon ‚wohlig gruseln‘, wenn man sich an dieses oder jenes Buch des Autors erinnert…
    Es ist eben ’natürlich & menschlich‘ ,wie auch der Titel eines seiner Bücher uns verheißt

    • Stephan Autor des BeitragsAntworten

      Vielen Dank für den treffenden Kommentar!
      Viele Grüße
      Stephan

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